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Kegeln – Was ist das?
Kegeln ist eine Präzisionssportart, bei der ein Spieler von einem Ende einer glatten Bahn aus (Kegelbahn) mit kontrolliertem Schwung eine Kugel ins Rollen bringt, um die am anderen Ende der Bahn aufgestellten neun Kegel umzulegen. Die Kegel sind dabei gleichmäßig in Form eines Quadrats angeordnet, das auf der Spitze steht (Raute). Aus dem Kegeln hervorgegangen und daher eng mit ihm verwandt ist das Bowling, bei dem zehn Kegel (Pins) in Form eines gleichschenkeligen Dreiecks aufgestellt werden.
Das Kegeln entwickelte sich in Europa über viele Jahrhunderte aus volkstümlichen Spielen im Freien. Heute ist es in zahlreichen Ländern der Welt verbreitet und findet in seiner modernen Form in speziell ausgestatteten Innenräumen und Hallen statt. Kegeln wird wie Bowling als Leistungs- und Breitensport betrieben, ist aber als Freizeitspiel noch weitaus populärer.
Sportkegeln wird als Einzel- und Mannschaftssportart betrieben. Eine Mannschaft besteht aus sechs, in manchen unteren Klassen auch vier Spielern. Außerdem werden Paar- und Mixed-Wettbewerbe abgehalten. Neu dazugekommen sind Tandem- und Sprintwettbewerbe, die im K.O.-System gespielt werden. Insgesamt gibt es rund 115.000 Kegler weltweit, davon etwa 82.000 in Deutschland.
1.Bundesliga (in zwei Gruppen A und B unterteilt) – 2.Bundesliga – 3. Bundesliga – „Bayernliga“ (Verbandsliga) – Landesliga Nord / Süd – Regionalligen (meistens zwei Regierungsbezirke zu einer Liga zusammengeschlossen) – Bezirksligen – Kreisklassen.
In den Damen- und in den unteren Herrenklassen werden pro Spieler/in 100 Wurf über zwei Bahnen gespielt; die Herren spielen ab der Bezirksliga 200 Wurf über vier Bahnen. Jeder Spieler/in absolviert pro Bahn 50 Wurf kombiniert (d. h. 25 Wurf in die Vollen und 25 Wurf Abräumen). Die Spielergebnisse von allen sechs bzw. vier Spielern werden zusammengezählt und dem Gegner gegenübergestellt. Gewonnen hat jene Mannschaft, die mehr Holz erzielt hat. Kegelgleichstand bedeutet unentschieden.
Die Ergebnisse (Kegelsumme oder auch Holzzahl, da ein gefallener/umgeworfener Kegel als ein Holz gerechnet wird) im Kegeln hängen von vielen Faktoren ab, auf die sich ein (Sport)kegler einzustellen hat. Die wesentlichen Faktoren sind: die Kegelform (tatsächlich hat sich herausgestellt, dass durch den Top-Kegel im Allgemeinen bessere Zahlen möglich sind), die Bahnpflege (durch das Aufbringen von Gleitmitteln gemäß Reglement kann das Schlagverhalten maßgeblich verbessert werden), der Kugel-Lauf (Linie, Drall) usw. Entscheidend ist daher, wie gut sich ein Spieler auf eine Kegelbahn einstellen kann.
Beim Hobbykegeln stehen nicht sportliche Betätigung und Wettkampf im Mittelpunkt, sondern Geselligkeit und Spaß. Vielerorts haben sich Männer und Frauen zu Freizeit-Kegelklubs zusammengefunden. Zumeist wird eines oder mehrere aus der Vielzahl von Kegelspielen gespielt. Bestimmte Würfe wie „Pumpen“ („Pudel“, „Ratten“ = Nullwürfe), „Klingel“ („Kranz-Acht“, Neunerwurf), „verpasster Einsatz“ usw. werden mit Geldstrafen belegt, um so Treffen und Ausflüge zu finanzieren. Kegelausflüge stehen im Ruf, „feuchtfröhlich“ und ausgelassen zu sein.
eine gemeinsame Geschichte, viele interessante Geschichten
Was ist der wesentliche Unterschied zwischen Kegeln und Bowling?
Die Namen der internationalen Verbände World Ninepin Bowling Association (WNBA) und World Tenpin Bowling Association (WTBA) sagen es aus: Beim Kegeln – international wird von Ninepin-Bowling gesprochen – wird auf Alle Neune gezielt, beim Bowling auf zehn Pins.
Erfinder dieses zehnten Kegels waren Europäer, die nach Nordamerika auswanderten, um dort ihr Glück – unter anderem wohl auch beim Kegeln um hohe Wetteinsätze – zu suchen. Wegen dieser Kegelwetten und der damit verbundenen Betrügereien wurde das Spiel mit der Kugel auf die neun Kegel im Land der unbegrenzten Möglichkeiten verboten – zum Beispiel 1837 in Connecticut. Kreative Kegler kamen damals auf die Idee, nunmehr auf 10 statt auf 9 Kegel zu zielen und diese 10 Kegel nicht mehr in Rautenform, sondern in Form eines Dreiecks aufzustellen. Aus den Kugeln wurden Bälle mit drei Löchern, aus den Kegeln wurden Pins, aus der beliebten Freizeitbeschäftigung Kegeln wurde Bowling.
So viel zu den wesentlichen Unterschieden, nun zur gemeinsamen Geschichte der beiden Präzisionssportarten:
Diese Geschichte begann circa 3.500 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Archäologen fanden bei Ausgrabungen in Ägypten Teile eines Kegelspiels und entdeckten Wandreliefs mit Kegelmotiven.
Auch die alten Germanen kegelten. Mit Steinen statt Kugeln zielten sie auf Knochen statt Kegel.
Im Mittelalter war Kegeln ein populäres Freizeitvergnügen. Auf Jahrmärkten und hinter Klostermauern gingen überwiegend die Männer in die Vollen. Das Abräumspiel wurde viele Jahre vor der Entwicklung der Kegelstellautomaten von Kegeljungs erfunden. Der Grund liegt auf der Hand: Sie wollten nicht nach jedem Wurf auf das volle Bild alle gefallenen Kegel aufstellen, sondern erst dann, wenn auch die zunächst stehen gebliebenen Kegel mit weiteren Würfen abgeräumt wurden.
Als im 19. Jahrhundert die Turn- und Sportbewegung in Deutschland immer weitere Kreise zog, etablierte sich neben dem geselligen Kegeln die sportliche Variante des traditionsreichen Spiels. Vereine und Kegelklubs formierten sich, Regeln und Abmessungen für die Kegelbahnen wurden festgelegt.
1885 wurde in Dresden der Zentralverband deutscher Kegelklubs gegründet. Dieser erste deutsche Kegel-Dachverband wurde zwei Jahre später in Deutscher Keglerbund umbenannt. Fünf Jahre nach dem zweiten Weltkrieg erfolgte in Bielefeld die Neugründung.
1923 fanden erstmals Deutsche Meisterschaften der Kegelsportler statt, zunächst auf Bohle- und Asphaltbahnen. Letztere werden heute, da die Laufflächen aus Kunststoff sind, als Classic-Kegelbahnen bezeichnet.
Drei Jahre später wurde auch um Deutsche Meistertitel auf der Bowlingbahn gespielt. Nur hieß die Bowlingbahn in Deutschland damals noch I-Bahn, Kurzform für „internationale Bahn“.
Mitte des 20. Jahrhunderts boomte das Kegeln und der Kegelsport, weil nach und nach die Kegeljungs durch Kegelstellautomaten ersetzt wurden. Höhepunkte der Saison waren die Deutschen Meisterschaften.
In Deutschland etablierten sich in allen vier Disziplinen die Bundesligen. Immer mehr Menschen entdeckten Kegeln und Bowling als Leistungssport. Der DKB schaffte mit der Ausbildung von Trainern die erforderlichen Rahmenbedingungen, um auch auf der internationalen Ebene erfolgreich sein zu können.
Ausrichter der Welt- und Europameisterschaften sowie anderer internationaler Wettbewerbe ist die FIQ – die Fédération Internationale des Quilleurs. Zur Weltorganisation der Kegler und Bowler schlossen sich zunächst neun nationale Verbände 1952 in Hamburg zusammen. Heute sind es circa 100 nationale Verbände, in denen über zehn Millionen Sportkegler(innen) und Sportbowler(innen) organisiert sind. 1973 entschied der FIQ-Kongress, den Verband neu zu strukturieren: Das war die Geburtsstunde der World Tenpin Association (WTBA) und World Ninepin Association (WNBA).
Quellenangabe: Deutscher Kegler- und Bowlingbund e.V.